Zur Homepage Begeisterungsmomente - Momente der Begeisterung
Zur Homepage Begeisterungsmomente - Momente der Begeisterung
Logo Begeisterungsmomente - Momente der Begeisterung

Grafenfamilien aus Franken waren oft international

Anmerkung: Die Herren und die Diener, kamen und gingen — Franken war schon immer international.

Teil 3 (von 8 Teilen) der Rede von Prof. Dr. Günter Dippold, Tag der Franken 2010

<< Rede von Prof. Dr. Günter Dippold anlässlich des Tags der Franken 2010: Beginn Teil 3 (von 8 Teilen) der wörtlichen Ausführungen >>

Manche Grafenfamilie war ein internationales Geschlecht.

Die Herren von Schwarzenberg, seit 1679 Fürsten, sie regierten nicht bloß in Scheinfeld, sondern genauso im bergischen Land, am Oberrhein, in der böhmischen Steiermark und Kain. Über die Grafschaft Wertheim herrschten seit dem 16. Jahrhundert die Grafen, später Fürsten von Löwenstein Wertheim, übrigens in väterlicher Linie Wittelsbacher - illegitime Wittelsbacher. Sie besaßen Herrschaften in Böhmen, in der Pfalz in der Eifel, in Belgien, im Elsaß.

Da war nichts von Begrenztheit.

...

Umgekehrt, fränkische Ritterschaften reisten europaweit in Fürstendiensten.

Na ja, die Großen! Die haben ihren regionalen Rahmen wohl gesprengt.

Aber doch nicht die kleinen, die einfachen Leute - Untertanen. Aber weit gefehlt.

Wer genau hinschaut, der erkennt, dass eine mobile Gesellschaft nicht erst in den letzten Jahren geworden ist.

Zustrom nach Franken ist nicht neu.

Zu Zeiten des Reichskreises kamen Fremde und sie haben das Land verändert, es bunter, reicher gemacht.

Der 30-jährige Krieg entvölkerte ganze Landstriche. Da waren Zuwanderer willkommen.

Ob aus dem Norden, aus Böhmen oder aus Altbayern. Zigtausende Bauern aus dem Wald-, dem Mühl-, dem Mostviertel, aus der Steiermark - evangelische Glaubensflüchtlinge durchweg - ließen sich im heutigen Mittelfranken nieder.

In Erlangen fanden nach 1886 Hugenotten Zuflucht. Über 3.000 in ganz Franken. Menschen, die aufgrund von Sprache und Konfession über Generationen eine Parallelgesellschaft bildeten.

...

Immer wieder, im 18. Jahrhundert zumal, zogen italienische Familien zu, Händler meist. Und bald waren die Pizzari und Wazzanini akzeptierte Nachbarn in fränkischen Kleinstädten.

Sommer für Sommer kamen in Bayreuth 100te Maurer aus Tirol und Graubünden nach Franken. Manche dieser Saisonarbeiter blieben.

Gefangene aus den Türkenkriegen um 1690 nach Franken gebracht und getauft, heirateten Einheimische und gründeten Familien. Sogar ein Graf Castell nahm seine Fathme zur Frau.

Juden, die vor Pogromen in Russland flohen, die 1670 aus Wien und Niederösterreich ausgewiesen wurden, im 18. Jahrhundert aus Schlesien und Prag vertrieben wurden, sie fanden in Franken Zuflucht.

<< Ende der wörtlichen Ausführungen Teil 3 zur Rede von Prof. Dr. Günter Dippold anlässlich des Tags der Franken 2010 >>

Fazit: Grafenfamilien aus Franken waren oft international: Da war nichts von Begrenztheit — lernen wir für heute daraus, dass Franken schon immer international war.

Teil 4 der Rede: Franken — offenes Land in Europas Mitte