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Diskussionsbeiträge

Dr. Michael Hohl, Oberbürgermeister Bayreuth

Dr. Michael Hohl, Oberbürgermeister Bayreuth

Prof. Dr. Thomas Meuche, Vizepräsident Hochschule Hof

Prof. Dr. Thomas Meuche, Vizepräsident Hochschule Hof

Dr. Birgit Seelbinder und Dr. Karl Döhler

Dr. Birgit Seelbinder, Oberbürgermeisterin von Marktredwitz, und Dr. Karl Döhler, Landrat Landkreis Wunsiedel

1. Dialog "Strukturwandel Oberfranken"

Bevölkerungsentwicklung in Oberfranken – Handlungsansätze und Strategien

Begeistert es Sie ebenso wie mich, dass es gut vorangeht in Oberfranken?

Lassen Sie uns gemeinsam den Kongress "Bevölkerungsentwicklung in Oberfranken – Handlungsansätze und Strategien" im Porzellanikon Selb rekapitulieren.

Auch wenn die Presse sich einig war, dass der 1. Dialog "Strukturwandel in Oberfranken" keine konkreten Ergebnisse erbrachte, so entstand doch ein Bild, bei dem sich einige Puzzle-Teile bereits an die richtigen Stellen einsortiert haben.

Erste Ansätze für die Bewältigung des Strukturwandels wurden sichtbar.

Lebendige Hochschulen und Universitäten, Offenheit im Denken, Kreativität, das Internet als wichtiges Medium für Kommunikation und eCommerce, eine Dachmarke für die Image-Bildung zur Vermarktung und Identitätsstiftung, der kulturelle Wandel als Basis des Strukturwandels erscheint machbar, die Region Tirol wird wie eine einzelne größere Stadt betrachtet, die Hochschule Hof positioniert sich neu mit dem Thema "Green Tech" und vieles, vieles mehr, das motiviert für den weiteren Weg.

Klar, niemand hat ein Patentrezept für Oberfranken parat, dafür ist die Thematik zu umfangreich, zu komplex und deshalb nur ganzheitlich zu lösen. Und uns Menschen fehlt definitiv die Eigenschaft, komplexe Systeme ganzheitlich zu überblicken und zu verstehen. Es wird viel Arbeit notwendig sein, bis sich das richtige Bild ganzheitlich geformt hat. Nicht die Staatsregierung aus München, von der manche — ganz deutsch gedacht — die Lösung erwarten, und auch nicht die Experten mit ihren Erfahrungen aus anderen Regionen werden die Lösung für Oberfranken liefern können.

Ein Bild schimmert intuitiv jedoch bereits durch, wenn man es sich erlaubte, dass es während des Kongresses entstand.

Jetzt gilt es weiter zu arbeiten, dann zeigen sich die neuen Chancen, die der Strukturwandel in sich trägt. Offensichtlich wurde, dass es ein oberfränkischer Weg werden muss, der den Strukturwandel in Oberfranken bewältigen kann. Dies wurde von der Staatssekretärin Melanie Huml und dem Regierungspräsidenten Wilhelm Wenning in ihren Statements im Namen von Oberfranken Offensiv-Forum Zukunft Oberfranken e.V. dargelegt.

Lösungen entstehen durch gegensätzliche Ansichten und Positionen.

Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer des VBM, stellte die Meinung des Arbeitgeberverbandes klar heraus: Grundlage erfolgreichen Wirtschaftens ist auch heute die Industrie. Dienstleistungen sind nachgeordnet und an die Industrieproduktion angegliedert. Ein Standpunkt, der aus dem Blickwinkel des VBM völlig verständlich ist.

Im Gegensatz dazu erläuterten andere Referenten — allen voran Professor Dr. Erich Bartel — dass Dienstleistungen den wesentlichen Erfolgsbaustein für den Strukturwandel darstellen. Denken Sie an eine der erfolgreichsten Wirtschaftsregionen der Erde, das Silicon Valley mit den IT- und Internet-Giganten Apple und Google. Wie viel Prozent der Arbeitsplätze im Silicon Valley beziehen sich auf die Industrieproduktion, wie viele auf Dienstleistungen? Wenn Sie einen Apple-Computer kaufen, dann wird dieser unter Umständen direkt aus China an Sie ausgeliefert — so wie es bei meinem letzten Apple geschehen ist.

Kreativität muss die bewährten deutschen Stärken wie "Qualität" oder "alles aus einer Hand" ergänzen. Lesen Sie das hervorragende Buch "Kopf schlägt Kapital" von Günter Faltin und Sie werden erkennen, wie offensichtlich dies ist.

Bildung, einschließlich Weiterbildung, ist einer der Schlüssel — jedoch kommt es darauf an, wie und wozu ausgebildet wird. Erst ausbilden (beginnend bei der Schulausbildung bis hin zur Hochschulausbildung) und dann den Absolventen die Last aufbürden, mit dem vermittelten Wissen einen Job zu finden, das zäumt das Pferd genau falsch herum auf. Nach Bedarf ausbilden und auf allgemeine Kompetenzen, kombiniert mit praktischen Erfahrungen, zu setzen, erscheint passender. Stärken stärken, nicht Schwächen reduzieren, das hat sich in der modernen Pädagogik und auch in der Unternehmensführung als zentral herausgestellt.

Zur Frage, was die entscheidenden Standortbedingungen im Zeitalter der "Wissensgesellschaft" sind, führte Frau Dr. Astrid Könönen an:

  • Innovationsfähigkeit
  • Wissen
  • Offenheit

Das Kernstatement von Frau Dr. Könönen lautet: Kreative und qualifizierte Menschen sind die entscheidende “Ressource der Zukunft!

Professor Dr. Erich Barthel hatte schon vorgelegt, "der demographische Wandel ist durch Kulturwandel beherrschbar":

  • Altern ist ein kulturelles Phänomen
  • Neue Grundannahmen entstehen durch
    • Symbolisches Handeln
    • Visionen
    • Regeln
    • Neue Gewohnheiten
    • -

Herr Professor BartHel stellte auch in Frage, warum die drei Phasen des Lebens Schulausbildung, Arbeitsleben und Ruhestand weiter strikt getrennt bleiben sollten.

Gut vorstellbar ist es doch, dass Menschen

  • Wissen aus der Praxis bereits in der Schulzeit als Motivation einbeziehen,
  • sich weiterbilden und dazu auch mal wieder eine Schule besuchen während des Arbeitslebens,
  • den Ruhestand durch Arbeit ausgefüllter gestalten.

Es wird teilweise ein, zwei Generationen dauern, bis sich Schulen gewandelt haben, die sozialen Systeme umstrukturiert sind und sich das Denken auf breiter Basis ändert. Doch es wird schneller gehen als wir denken, weil die Notwendigkeit da ist. Bedenken Sie auch die Chinesische Weisheit: "Wenn Du es eilig hast, gehe langsam".

Lernen wir, anders zu denken — fundamental, radikal anders — dann hat jedes Problem die Chance, sich als Chance zu entpuppen.

Ohne ganzheitliche Lösungsansätze wird es nicht gehen!

Ein einzelnes Ziel in den Vordergrund zu rücken, das kann genau das Gegenteil bewirken. Ganzheitlichkeit ist deshalb der Leitgedanke. "Psychosoziale Gesundheit" wird heute als Produktionsfaktor der Zukunft gesehen. Wenn der sechste Kondratjew-Zyklus sich tatsächlich auf der psychosozialen Gesundheit aufbaut, dann wäre dies der erste Zyklus, der den Menschen ins Zentrum stellt. Alle andere Zyklen (Dampfmaschine, Eisenbahn, Elektrische und Chemische Industrie, Individualverkehr, Informationstechnologie/Kommunikation) haben die Produktivität durch materiell basierte Faktoren gesteigert. Es ist plausibel, dass nun der Mensch der begrenzende Faktor ist und dass hier der höchste Produktivitätszuwachs — denken Sie an entfesselte Kreativität — liegt. Wenn Sie lernen wollen, was dies alles für Unternehmen bedeutet, dann ist das Buch von Cay von Fournier "Die zehn Gebote für ein gesundes Unternehmen" eine ideale Lektüre.

Man muss nicht versuchen, eine weitere "Gesundheitsregion" ins Leben zu rufen, um von diesen Trends zu profitieren. Welche Potentiale in diesem Bereich zu finden sind, das zeigt die Wellness-Bewegung. Körper und Geist gesund und in Einklang zu halten, damit man lebenslang lern- und leistungsfähig bleibt, das ist erklärtes Ziel.

Kann psychosoziale Gesundheit ein zentraler Aspekt eines Strukturwandels sein?

Ist es die geistige — die virtuelle — Welt, in der sich der grundlegende Wandel abspielt? Von Werbung, Software, Content (Musik, Literatur, Nachrichten), bis hin zur Weiterbildung und zur psychosozialen Gesundheit hat alles eine geistige Dimension.

Wer ist bereit, dafür wie viel zu zahlen? — — das wird oft gefragt.

Es ist nicht eine Frage des Geldes, das ist vorhanden. Es ist eine Frage des Willens, die Mittel beispielsweise in die Bildung und die Gesundheit zu investieren — anstatt in Autos und materielle Luxusgüter.

Ernüchternd ist, dass es im Internet wenig kommerzielle Geschäftsmodelle gibt, mit denen Geld verdient wird. Im Gegenteil, das Verschenken (Open Source, Creative Commons) ist gängige Praxis. Google verschenkt alle Leistungen ausser Werbeschaltungen und verdient alleine mit der Werbung so viel Geld, dass es zum bedeutendsten Unternehmen im Internet aufsteigen konnte. Wie dies unsere deutschen Firmen bedroht, das wurde im aktuellen Managermagazin herausgearbeitet. Fakt ist aber auch, dass der deutsche Mittelstand und die großen Konzerne beispielsweise durch Google ganz neue Möglichkeiten bekommen haben. Heute kann ein kleiner Mittelständler problemlos ein erfolgreiches Geschäft im Internet eröffnen — ohne hohe Werbekosten, wenn er bei Google ganz vorne gefunden wird. Oder betrachten Sie die Otto-Group: Die Nutzung des Webs als zentralen Werbe- und Vertriebskanal hat hier den Unterschied zu Quelle ausgemacht. Warum profitiert nicht auch eine ganze Region?

Lösungsansätze für den Strukturwandel sind längst da.

Einzig die spezielle Umsetzung — die Kombination vieler einzelner Faktoren zu einem ganzheitlichen erfolgreichen Konzept, das auf die Region maßgeschneidert passt — ist die schwere Aufgabe. Sie erfordert Mut zu neuen Wegen, das Durchsetzungsvermögen, um den eigenen Weg zu gehen und die Kraft auch Rückschläge einzustecken. Im Silikon Valley ist es völlig selbstverständlich, dass der erste Versuch einer Unternehmensgründung oftmals nicht gelingt. Das stört niemanden, das wird als positiv gesehen, denn die dabei gemachten Fehler sollte man beim zweiten oder dritten Mal nicht mehr machen. In Deutschland ist dies leider ganz anders. Wie soll da eine lebendige Gründerszene entstehen? Unter Erfolgsdruck?

Hat man sich die Lösungen vom Ministerpräsidenten Horst Seehofer erwartet? Die Presse hat hier typisch deutsch reagiert - schade. Denn die Lösungsansätze werden dezentral geboren und umgesetzt. Wie hat einer der Referenten gesagt: Man muss auch mal den Mut zu etwas Chaos haben (ich denke es war Manfred Riedl). Die Vermutung: Lösungen entstehen im Falle des vorliegenden Strukturwandels auf andere Weise als in der Vergangenheit.

Alois Kastner-Maresch

Ergänzung: Erfahren Sie, wie Strukturwandel und Kreativität zusammenhängen und gemeinsam neue Chancen eröffnen können.

Referenten

Ministerpräsident Horst Seehofer

Ministerpräsident Horst Seehofer

Staatssekretärin MdL Melanie Huml

Staatssekretärin MdL Melanie Huml

Regierungspräsident Wilhelm Wenning

Regierungspräsident Wilhelm Wenning

Professor Dr. Erich Barthel

Professor Dr. Erich Barthel

Manfred Riedl

Manfred Riedl

Dr. Astrid Könönen, PwC

Dr. Astrid Könönen, PwC

Uwe Lübking, Deutscher Städte- und Gemeindebund

Uwe Lübking, Deutscher Städte- und Gemeindebund

Professor Uli Mayer-Johannsen

Prof. Dr. Uli Mayer-Johanssen, Metadesign