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Kreativität und Strukturwandel - Bild einer Lichtinstallation am Canale Grande in Bayreuth

Kreativität ist für den Strukturwandel zentral

Am 18.03.2010 fand der 1. Dialog Strukturwandel Oberfranken statt.

Dosiert wurde der Verweis auf den Beitrag zum Kongress Strukturwandel Oberfranken per Mail verteilt. Es kamen zahlreiche sehr positive Rückmeldungen und ganz wenige reservierte, zurückhaltende Reaktionen.

Es wurde eine ganze Menge an Fragen gestellt.

Deshalb habe ich mich entschlossen, auf diese einzugehen. Gewünscht wurde, dass die Aussagen konkreter werden und erkennbar wird, worauf es ankommt. Mir geht es um die Methodik, also darum, dass wir weiter kommen, wenn wir unser Denken ändern.

Die meisten Fragen drehten sich um Kreativität

Frage 1: Warum fehlt uns Menschen die Eigenschaft, komplexe Systeme ganzheitlich zu überblicken und zu verstehen?

Frage 2: Was steckt hinter folgenden Statements?

  • Kreativität muss die bewährten deutschen Stärken wie "Qualität" oder "alles aus einer Hand" ergänzen.
  • Lernen wir, anders zu denken — fundamental, radikal anders — dann hat jedes Problem die Chance, sich als Chance zu entpuppen.
  • Mut zu neuen Wegen ist notwendig.

Diese Fragen werde ich zusammenfassend beantworten. Folgen Sie mir auf eine kurze geistige Reise in die Welt der (Ideen-)Kreativität.

Am besten hat es Edward De Bono mit seiner Arbeit der letzten vierzig Jahre auf den Punkt gebracht! An seine Ausführungen knüpfe ich im Folgenden an bzw. zitiere ihn, ohne es immer ausdrücklich kenntlich zu machen. Eine Literaturangabe füge ich am Ende an.

Fakt ist: David Perkins on Harvard University hat belegt: 90% der Denkfehler beruhen auf Wahrnehmungsfehlern.

Die Konsequenz daraus: Ist die Wahrnehmung falsch, dann ist auch die Antwort falsch.

Ein Schlüssel für positive Veränderungen liegt also in unserer Wahrnehmung begründet. Wenn wir die Wahrnehmung verbessern, dann haben wir viel erreicht!

Wahrnehmung beruht auf Aufmerksamkeit und ist damit Bestandteil von Achtsamkeit, die sich aus Achtung und Aufmerksamkeit zusammensetzt. Vergessen wir dabei die Achtung nicht: Achtung vor den Mitmenschen, vor Kunden und Partnern, Schülern und Studenten, vor der Natur, … — auch wenn ich im Folgenden darauf nicht mehr eingehen werde.

Ausgangspunkt eigenen Denkens sind immer "willkürliche" Annahmen

Der persönliche Ausgangspunkt ist wichtig, nicht die Brillanz einer Herleitung bzw. die Logik dahinter.

Haben Sie sich schon mal die Frage gestellt: Warum tun wir wenig für eine verbesserte Wahrnehmung?

Dahinter stecken einerseits tiefe Traditionen, die ihren Ursprung in der griechischen Philosophie haben: Denken basiert auf Logik und auf logischen Argumentationen. Andererseits nehmen wir uns oft nicht die Zeit, genügend Aufmerksamkeit aufzubringen. So vieles konkurriert heute um unsere Aufmerksamkeit! Frank Schirrmacher hat es in seinem Buch "Payback" auf den Punkt gebracht.

Ein weiterer Grund: Aus Wahrnehmungen kann man keine logischen Schlüsse herleiten. Und es wird von uns immer verlangt, logisch zu begründen — die Schule hat uns auch entsprechend geprägt, dies normalerweise nicht zu hinterfragen —, …

Eventuell kann man etwas Beobachtetes im Nachhinein logisch erklären. Mit Logik dort hinzukommen, was man beobachtete, das ist jedoch nicht möglich.

Denn: Wahrnehmung und Logik sind asymmetrisch.

Grand Canyon - Wasser hat ihn geschaffen - grandios

Denken Sie an den Grand Canyon: Entstanden über Jahrmillionen, durch die Einwirkung unzähliger einzelner Wassermoleküle, baut jede Situation auf allen vorhergehenden auf. Die heutige Gestalt und ihre grandiose Kulisse können wir wahrnehmen. Sie ist "einfach" entstanden.

Wir können uns logisch erklären, wie er entstanden ist, nachdem wir ihn gesehen haben: Durch den Colorado, durch Regen und durch Temperaturschwankungen.

Wie kann man die Wahrnehmung stärker berücksichtigen?

Ein Baustein: Lernen wir die Sichtweise des Anderen konsequent zu berücksichtigen.

Edward De Bono führt ein Beispiel an: Ein Mann mit einem aggressiven Gesichtsausdruck scheint auf Sie zuzukommen. Welche Möglichkeiten gibt es unter anderem?

  • Er ist aggressiv.
  • Das ist sein normaler Gesichtsausdruck und er ist gar nicht aggressiv.
  • Aus irgend einem Grund fühlt er sich bedroht oder unsicher, und das ist seine Reaktion darauf.
  • Er will ein wenig angeben — vielleicht, um seine Feinde zu beeindrucken.
  • Er macht nur Spaß.
  • Er geht gar nicht auf Sie zu, sondern auf die Person direkt hinter Ihnen.

Denken Sie mal nach, fühlen Sie in sich hinein, wie Sie reagieren würden.

Weil wir uns nicht die Zeit nehmen (oder nicht die Aufmerksamkeit aufbringen können), alle Möglichkeiten durchzugehen, sind unsere Wahrnehmungen oft falsch und dadurch unsere Handlungen ebenfalls. Dabei gehen wir auch noch von unseren (größtenteils unbewussten) Einstellungen und Prägungen aus.

Wie können Sie — ganz persönlich — das ändern?

  • Durch die grundsätzliche Einstellung, dass Sie versuchen, in allem was Sie tun, kreativ zu sein.
  • Wir dürfen uns nicht nur auf Fehler, Versagen und Unzulänglichkeiten konzentrieren!

Klar, die Fähigkeit zur Problemlösung ist sehr wertvoll und wichtig. Sie reicht einfach nur nicht aus. Sie muss durch Verbesserungsfähigkeit — ohne ein Problem im Hintergrund zu benötigen — ergänzt oder auch ersetzt werden. Dies trifft exakt auch für den Zusammenhang von Strukturwandel und Kreativität zu.

"Don't touch a running system" sagen die Informatiker, oder "Wenn es nicht kaputt ist, dann repariere es auch nicht" sind unsere gängigen Verhaltensweisen. Dieses Denken muss durchbrochen werden. Proaktiv kreative Verbesserungen finden, ist das Gebot der Zukunft.

Grundsätzlich ist es besser, sich gedanklich zu bewegen als nur zu urteilen, ob etwas gut ist. Neue Standpunkte einnehmen, ausloten, was für Konsequenzen sich ergeben und gedanklich neue Wege gehen, das macht Spass und bringt uns weiter.

"In Bewegung versetzen", das heißt, wir überlegen, wohin wir von einer bestimmten Position aus gelangen können. Wir versuchen, uns vorwärts zu bewegen. Wenn wir dies damit verknüpfen, dass wir von mehreren (eventuell sogar zufällig gewählten) Positionen aus starten, dann lassen wir bereits einen kreativen Prozess zu. Dies kann man ganz systematisch angehen. Die Methoden von De Bono oder TRIZ bieten perfekte Startpunkte.

Wir müssen Alternativen suchen.

Offensichtliche Deutungen und Interpretationen müssen wir ergänzen durch Antworten auf die Fragen:

  • Welche anderen Erklärungen kann es geben?
  • Welche alternativen Handlungsweisen haben wir?
  • Welche Optionen, alternative Konsequenzen, Szenarien, … gibt es?

Für Möglichkeiten (=Chancen) offen zu sein, bedeutet, sich nicht schnell auf eine (die eine?) Wahrheit oder die (vermeintlich) beste Lösung festzulegen — denken Sie auch hier an den Zusammenhang von Strukturwandel und Kreativität.

Eng verbunden mit der Suche nach Alternativen ist eine offene Einstellung und die Akzeptanz von Möglichkeiten.

Ein Beispiel: Es ist Frühling — endlich!

Schickt man jemanden in den Garten, um sich alle Farben anzusehen, dann wird die Person auf die dominanten Farben, das Gelb der Narzissen, das Grün des Grases aufmerksam. Weniger auffällige Farben werden nicht gesehen.

Wenn man jedoch die selbe Person in den Garten schickt und ihr aufträgt, jede einzelne Farbe der Reihe nach zu suchen, — Blau, Gelb, Rot, Braun, …, dann wird das Bild, das die Person vom Garten gewinnt, ein ganz anderes — ein viel bunteres — sein!

Wahrnehmung ist steuerbar!

Aufmerksamkeit ist der Schlüssel für eine verbesserte Wahrnehmung

Wenn wir die Aufmerksamkeit nicht steuern, dann sehen wir nur vertraute Muster!

Wir können nach Worten suchen, nach interessanten Aspekten, nach Details, nach Dingen, die unsere Zufriedenheit erhöhen.

Wir können formale Rahmenvorgaben machen, um unsere Aufmerksamkeit zu lenken — wie in die vier Himmelsrichtungen und nach oben und unten zu blicken oder alle Farben in Betracht zu ziehen (Gartenmetapher) ...

Wie ist es mit Kritik?

Dadurch, dass in unserer Gesellschaft der Schwerpunkt oft auf der Kritik liegt (was ja Kern eines der produktivsten Zweige der Philosophie ist), schließt man die Türen zu den neuen Möglichkeiten (Chancen), neuen Ideen und dem Fortschritt.

  • Wir brauchen ein Denken, das auf Wahrnehmung beruht.
  • Wir brauchen gestaltendes, kreatives Denken.

Kritisches Denken, und sei es noch so brillant, wird den Bedarf nicht abdecken.

Ein Fahrzeug hat Bremsen und diese sind wesentlich. Ohne Bremsen geht es nicht. Aber Bremsen alleine machen kein sinnvolles Fahrzeug (ausser eine Seifenkiste ;-) ). Es braucht einen Motor. Wenn man ein Seifenkisten-Rennen fährt, dann mögen Bremsen genügen, es geht immer nur bergab. Wenn wir Fortschritte machen wollen, dann brauchen wir einen Motor. Der Motor ist das gestaltende, kreative Denken.

Betrachten wir den "Problemfall Problem"

Ein Problem ist eine Abweichung vom Normalen, Erwarteten, Gewohnten. In diesem Fall erscheint das Denken, um das Problem zu lösen, als das einzig Wichtige. Denken Sie an den Gebrauch von Daten, beispielsweise Kennziffern in Unternehmen. Werden damit nicht häufig alte Konzepte zementiert?

Wie sich ein System vorwärts entwickelt, das ist unvorhersehbar, es prägt sich aus. Es hat eine Geschichte, die man nicht weglassen kann. Denken Sie an den Grand Canyon!

Wenn man die Lösung gefunden hat, dann ist sie logisch. Wenn man sie mit Logik hätte gewinnen wollen, dann wäre man gescheitert.

Es gibt eine plausibel Theorie, warum China in den letzten 2000 Jahren zurückgeblieben war: Vor 2000 Jahren war China dem Rest der Welt weit voraus (Beispiele: Schießpulver, Drucktechnik, Papier, Kompass). Die Gelehrten hatten ein große Macht und entwickelten den Ansatz, dass Erkenntnisse immer aufeinander aufbauen müssen. Dies hat die Kreativität getötet und den Stillstand verursacht.

Egal, ob dies zutrifft oder nicht, es beleuchtet, worauf es ankommt.

Logik ist hervorragend, Kreativität muss sie ergänzen!

Wir müssen beurteilen und bewerten und haben darin eine hohe Kunst erlangt. Bewegung des Denkens ist aber noch mächtiger, um das Ziel zu erreichen.

In diesem Sinne meine ich in dem Beitrag zum Strukturwandel auch, dass das Geistige — die virtuelle — Welt, die Welt des Denkens und der Ideen-Kreativität das wirklich Wichtige ist.

Soviel zu Kreativität, zur Bewegung des Denkens, zur Aufmerksamkeit.

Aus dem aktuellen Managermagazin 4/10: Im Griff der Giganten

Dazu wurden ebenfalls Fragen von denen gestellt, die den Artikel nicht gelesen haben. Was geht heute eigentlich vor sich?

Lassen Sie mich etwas aus dem Managermagazin zitieren:

"Es ist nur eine Frage der Zeit, dass Telekom & Co. auch ihren letzten Trumpf noch verspielen: die exklusiven Zahlungsbeziehungen zum Kunden über den Mobilfunkvertrag und die Telefonrechnung. Apple hat mit seinen Online-Shops bereits selbst Kontakt zum Nutzer hergestellt. Google tritt seit Anfang des Jahres als Verkäufer seines Smartphones Nexus One auf - und gewinnt dadurch eine direkte Verbindung zum Konsumenten. "Für uns gibt es eine neue Regel", sagt CEO Schmidt, "sie lautet: mobile first." "

"Was Google so unberechenbar macht: Das Unternehmen weigert sich hartnäckig, den althergebrachten Spielregeln des Kapitalismus zu gehorchen. Die üppigen Renditen aus ihrem Kerngeschäft wollen die beiden Google-Gründer Serge Brin und Larry Page vor allem dazu einsetzen, die Welt in einen besseren Ort zu verwandeln."

[…]

"Google funktioniert nach Organisationsprinzipien, die intern als "Semichaos" beschrieben werden: Wer ein neues Projekt starten will, muss freiwillige Mitstreiter im Unternehmen finden und anschließend die Führungsebene irgendwie davon überzeugen, dass Kosten und Nutzen im angemessenen Verhältnis stehen. Wobei Nutzen ausdrücklich alles sein kann: von schneller Rendite bis zu purer Weltverbesserung."

Und bei uns in Deutschland:

"OB SAP ODER TELEKOM: Viele deutsche Konzerne eint das Problem, dass ihr Geschäftsmodell weniger auf neuen, pfiffigen Produkten als auf der Verteidigung einmal erlangter Marktmacht beruht.
[…]
Zu dieser Lethargie passt auch die Neigung deutscher Traditionskonzerne, sich am liebsten mit Apple zu verbünden. Der Computerbauer aus Cupertino, nicht mal 10 Kilometer vom Google-Hauptsitz Mountain View entfernt, pflegt wie kein anderer IT-Konzern die Philosophie des Lock-in, des Einschließens der Nutzer im eigenen Hard- und Softwarestandard."

Bedingung erfolgreichen Strukturwandels

Schließen möchte ich mit einem Zitat aus dem Vortrag von Dr. Astrid Könönen, PwC:

"Im Fokus müssen die Menschen mit ihren “kreativen Köpfen” stehen"

Dem ist an und für sich nichts mehr hinzuzufügen.

Lesen Sie das Buch "Think! - Denken bevor es zu spät ist" von Edward De Bono.

Die Erkenntnis: Kreativität ist umsetzbar — methodisch. Sie ist nicht an Genies gebunden, jeder kann sie lernen.

Wir müssen uns von der Vorstellung lösen, dass Logik uns dabei hilft. Logik ist hervorragend, sie ist halt nur nicht alles.

Ideen-Kreativität ist der Schlüssel und genau dieser Aspekt muss in der Bildung ins Zentrum rücken. Natürlich ist die momentane Vorgehensweise mit analysieren, urteilen, argumentieren, Standards erkennen, Standardantworten geben, sehr wichtig und fruchtbar.

Sie muss einfach gleichwertig ergänzt werden. Dann wird offensichtlich: Bildung mit einem starken Block Ideen-Kreativität ist der Schlüssel für die Zukunft.

Eine Idee am Ende

Der Hofer Oberbürgermeister Harald Fichtner führte in seinem Beitrag aus:

"Die Sicherung von Fachkräften gerade in unserer Region ist insofern als die Aufgabe des regionalen Managements anzusehen und mit Nachdruck zu betreiben."

Warum wird Oberfranken (oder Hochfranken) nicht die Region der gesunden Unternehmen? Und wenn das bereits so ist, warum kommunizieren wir es dann nicht offensiv?

Eine Region der gesunden Unternehmen wird Fachkräfte anziehen und halten. Das ist höchst wahrscheinlich. Der Strukturwandel kann durch Kreativität nur besser ablaufen.

Wie Sie es schaffen, Ihr Unternehmen gesund zu halten oder zu machen? Das hat Dr. Cay von Fournier in seinem Buch "Die zehn Gebote für ein gesundes Unternehmen" hervorragend dargestellt.

Herr von Fournier wird im Juli auf der zentralen jährlichen Veranstaltung des IT-Cluster Oberfranken in Thurnau vortragen. Versäumen Sie seinen Vortrag nicht. Ich erwarte, dass es ein begeisternder Moment wird. Wenn es erlaubt ist, dann werde ich auf www.begeisterungsmomente.de darüber berichten.