Zur Homepage Begeisterungsmomente - Momente der Begeisterung
Zur Homepage Begeisterungsmomente - Momente der Begeisterung
Logo Begeisterungsmomente - Momente der Begeisterung

Reinhard von der Thannen - Kostüm- und Bühnenbildner des Lohengrin 2010

Der Kostüm- und Bühnenbildner Reinhard von der Thannen setzt Wagners opulenter "Lohengrin"-Musik klare Bilder entgegen.

Reinhard von der Thannen im Interview mit dem Nordbayerischen Kurier

Wir zitieren hier aus dem Artikel des Nordbayerischen Kurier vom 24./25.07.2010: "Alles — nur nicht heilig" die Teile, die sich um die "Lohengrin"-Neuinszenierung drehen.

Der Schwan als Herausforderung

Kurier: Der Schwan hat Ihnen als Bühnenbildner sicherlich Probleme gemacht.

Von der Thannen: Klar war das schwierig. Wie es bei Othello schwierig ist, ob man ihn nun schwarz oder weiß auf die Bühne bringt. Der Schwan ist ein großes Thema. Und er kommt bei uns in vielerlei Gestalt vor: als echter Schwan, ganz ohne Federn, als Kunstobjekt, als Kostüm, in Form einzelner Federn und am Schluss, in der Evolution des Eis, als Fötus. Mir war ziemlich schnell klar, dass er am Anfang naturalistisch sein muss, um in der Folge die verschiedenen Wahrnehmungen und Spielarten auf die Bühne bringen zu können. Auf den Schwan in der Vitrine, der ja ein Kunstprodukt darstellt, hat mich übrigens meine Schwiegermutter g3bracht. Die hat mir mal, zum Geburtstag, einen Messingschwan aus den 50er Jahren geschenkt. ... Den haben wir dann nachbauen lassen.

Kurier: Die Ausgangssituation — "Lohengrin" spielt in einem Laboratorium voller Ratten — ist ja vor geraumer Zeit schon publik geworden. Wie kam man drauf?

Von der Thannen: Ein Stück weit ließen wir uns von dem Film "Mein Onkel aus Amerika" von Alain Resnais inspirieren, in dem die Hauptdarsteller am Ende alle Rattenköpfe tragen. Natürlich kommt man beim "Lohengrin" nicht umhin, sich mit dem Thema Utopien zu beschäftigen. Und wenn man das tut, landet man früher oder später beim Thema Versuchslabor. Da wird geforscht, studiert, es wird bewacht, der Mensch als Individuum ist nicht gefragt. Am Ende kamen wir über die Laborästhetik auch zu den Laborratten. Wobei die Ratten bei uns natürlich kein Selbstzweck sind, sondern einem ständigen Prozess der Metamorphose unterliegen.

...

Das Ratten-Kostüm

Kurier: Welche Figur haben Sie denn besonders gerne ausgestattet?

Von der Thannen: Die Ratte! Es war das schwerste Kostüm. Und wir hatten am Anfang auch große Probleme, das durchzusetzen. Es gab mehrere Prototypen. Und zunächst wehrte sich der Chor vehement dagegen. Begründung: Wir sehen nichts, wir hören nichts. Also wurde wieder daran gearbeitet. Das war eine längere Auseinandersetzung technischer Art. Jede Maske ist für jeden einzelnen Sänger zugeschnitten — das ist alles Maßarbeit. Am Ende gab der Chor grünes Licht. Das alles ging nicht ohne Druck ab. Und die Anwälte saßen schon parat. Ich habe schon viele Tierchen auf die Bühne gebracht. Und es war — fast — wie immer. Am Anfang hassen es alle. Und am Ende lieben sie es.

...

Das Werkstatt-Prinzip auf dem Hügel

Kurier: Jetzt ist der Lohengrin fertig, abgabereif. Jetzt käme das Werkstatt-Prinzip zum Tragen.

Von der Thannen: Sehe ich eigentlich anders. Ein großer ästhetisch-regielicher Entwurf — und das meine ich nicht überheblich — bedarf keiner Werkstatt. Er wird bleiben, verhaftet in seiner Zeit. Vielleicht wird er mal altmodisch, aber er bleibt im Wesentlichen bestehen. Da ist, bis auf wenige Kleinigkeiten, nicht mehr viel zu ändern.

Zur Person: Reinhard von der Thannen

Reinhard von der Thannen gilt als einer der wichtigsten Bühnen- und Kostümbildner Deutschlands. Mehrmals wurde er von der Zeitschrift Opernwelt zum "Kostümbildner des Jahres" gewählt. Mit Hans Neuenfels hat Rainhard von der Thannen bei den Salzburger Festspielen bereits "Cosi fan tutte" und "Fledermaus" aufgeführt.