Die Generalprobe zu Lohengrin war turbulent verlaufen: "Seht, Elsa naht, die Tugendreiche!", singt der Chor, und König Heinrich holt gerade tief Luft ("Wie muss ich dich so traurig sehn! Will dir so nah die Trennung gehn?"), eine Gasse durch die Menschenmassen öffnet sich, um Elsa durch zu lassen, die Gasse öffnet sich also und öffnet sich, der König atmet, der Chor singt - und es passiert nichts. Elsa kommt nicht. Elsa ist abgängig. Große Verwirrung.
Nähere Hintergründe zur Lohengrin Generalprobe
Ich hatte dieses Jahr das große Glück, dass ich aus den Generalproben zu allen Aufführungen eine auswählen durfte. Meine Wahl fiel ohne zu zögern auf die Neuinszenierung des Lohengrin. Es ist einfach ein Erlebnis, dieses nicht mehr als romantische Oper und noch nicht als reines Musikdrama zu verstehende Stück live im Festspielhaus zu erleben.
Ein Zitat von Franz Liszt, der die Uraufführung des "Lohengrin" dirigierte, sagte 1852 über den "Lohengrin": "Die Musik dieser Oper hat als Hauptcharakter eine solche Einheit der Conception und des Styls, dass es in derselben keine melodische Phrase, und noch viel weniger ein Ensemble-Stück oder irgend eine Passage gibt, welche, wenn man sie vom Ganzen trennt, nach ihrer Eigenthümlichkeit und ihrem wahren Sinne verstanden werden kann. Alles verbindet, verkettet und steigert sich; Alles ist mit Sujet auf's Engste verwachsen und könnte nicht von demselben getrennt werden. Es würde sehr schwer werden, einzelne, der Tondichtung, in der nichts musivisch angebracht, eingeschaltet, überflüssig eingeschoben ist, entnommene Bruchstücke richtig zu beurteilen, da Alles in derselben sich verkettet und ineinander greift, wie die Maschen eines Netzes, da Alles genau erwogen und folgerichtig bestimmt ist, jeder Progression der Harmonie ein entsprechender Gedanke vorhergeht oder folgt; eine durch ihre systemische Strenge ganz und gar deutsche Prämedidation, welche uns von diesem großen Werke sagen lassen kann, daß es die durchdachteste aller Inspirationen ist." (zitiert nach dem Nordbayerischen Kurier vom 24./25.07.2010).
Googeln Sie nach den Kommentaren zur Premiere. Bereits auf dem Hügel wurde in den Interviews deutlich, dass die Inszenierung bleibende Erinnerungen hinterlässt. Die Stimmen zur Neuinszenierung des Lohengrin 2010 näher zu analysieren, wird besonders vor dem Hintergrund der eigenen Eindrücke aus der Generalprobe des neuen Lohengrin interessant: Die Inszenierung ist stimmig, spektakulär und konsequent durchgezogen.
Lesen Sie, was Hans Neuenfels vorab zu seinem Verständnis von Wagner gesagt hat: Hans Neuenfels zu Lohengrin und Richard Wagners Werk im Allgemeinen.