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Dr.-Ing. E.h. Heinrich Weiss sprach zu "Mitarbeiterführung und Unternehmenskultur als Wettbewerbsvorteil"

"Mitarbeiterführung und Unternehmenskultur als Wettbewerbsvorteil" war das angekündigte Thema. Welche Auswirklungen die aktuelle Wirtschafts- und Finanzkrise auf die Maschinenbau-Branche hat, darauf erwarteten sich die Besucher des 2. Bayreuther Ökonomiekongresses jedoch ebenfalls Antworten von Dr.-Ing. E.h. Heinrich Weiss, Vorsitzender der Geschäftsführung der SMS Group.

Als Fazit konnte man entnehmen, dass Familien-geführte Unternehmen in der Krise Vorteile besitzen, wenn sie auf einem stabilen Liquiditätsfundament ruhen. Dann kann antizyklisch gehandelt werden. Bei den Mitarbeiterführung und Unternehmenskultur stellte er dar, dass durch eine Erfolgsbeteiligung aller Mitarbeiter eine Interessensidentität zwischen Mitarbeitern, dem Management und Eigentümern erreicht werden kann. Ein positives Fazit, das zeigt, was in Zeiten der Krise wichtig ist.

Hinweis: Am Ende des Berichtes ist ein sehr interessantes Video eingebettet, das das Thema Motivation behandelt und zu interessanten Ergebnissen kommt!

Dr.-Ing. E.h. Heinrich Weiss, Vorsitzender der Geschäftsführung der SMS Group auf dem 2. Bayreuther Ökonomiekongress

Heinrich Weiss, Vorsitzender der Geschäftsführung der SMS Group auf dem 2. Bayreuther Ökonomiekongress

Wirtschaftswachstum und Beschäftigung

Aus Sicht von Heinrich Weiss sind zwei Fakten zur Notwendigkeit von Wachstum vorhanden:

  • Wir brauchen ein jährliches Wachstum des Bruttosozialproduktes von 2%, um die Beschäftigung zu halten.
  • 2% entspricht auch dem durchschnittlichen Rationalisierungsgewinn in der Industrie pro Jahr.

Zur aktuellen Situation der Beschäftigungsentwicklung führte Heinrich Weiss aus: "Wir sehen die Auswirkung der Rezession auf die Beschäftigung momentan noch nicht. Durch die sehr großzügigen und teuren Kurzarbeitsregelungen, die es in Deutschland gibt und da die meisten Firmen erwarten, dass wir in einigen Jahren Fachkräftemangel haben, versuchen sie jetzt ihre Mitarbeiter zu halten, soweit das finanziell geht."

... "Volkswirtschaftlich müsste die Beschäftigung um mindestens 8% zurückgegangen sein."

Der Globalbezug der Weltwirtschaftskrise

... "Diese Weltwirtschaftkrise hat nahezu alle Regionen der Welt erfasst. ... Mit Ausnahme einiger Regionen: Indien beispielsweise wurde gar nicht erfasst von der Weltwirtschaftskrise, auch nicht von der Rezession."

Heinrich Weiss beantwortete die Frage nach dem "Warum" folgendermaßen: "Das hat mir mal ein indischer Bankier erklärt. Das indische Bankensystem ist noch so vorsintflutlich organisiert, das heißt es gibt keine Großbanken. Die Banken sind alle lokal und arbeiten wie die Raiffeisenbanken oder Sparkassen. Das heißt es gab überhaupt niemanden, der wusste, was ein toxisches Finanzprodukt ist. Die haben gar keine Investmentbanker gehabt, die solche Dummheiten machen konnten. Deshalb sind sie kaum erfasst worden."

Herr Weiss erläuterte, dass er bereits für 2008 eine Rezession erwartet habe. Die Wirtschaftskrise habe dies dann zu einem rasanten Einbruch verstärkt, den auch er in dieser Art nicht erwartet habe. Eine Rezession erschien jedoch bereits vorher unvermeidlich. Er führte dann weiter aus, dass heute alle Regionen, Branchen und Unternehmen so stark vernetzt seien und deswegen alle gleichzeitig in eine Rezession fallen würden und sie dann auch alle gemeinsam wieder aus der Rezession rauskommen.

Wörtlich fügte er an: "Deshalb ist die Auswirkung der wirtschaftlichen Seite der Wirtschaftskrise — ich spreche nicht von der Euro-Krise — heute synchron und relativ drastisch."

Und er ergänzte mit den Blick auf die Einschätzung der Politik: "Wenn heute Politiker sagen, dass wir schon eine Erholung haben und der Arbeitsmarkt sich auch wunderbar gehalten hat, dann mag das etwas kurzsichtig sein. Und wenn sie sagen, wir erreichen im laufenden Jahr 1,5% Wachstum und sind vorher 6% abgestürzt, dann haben wir vielleicht eine Bodenbildung, aber keine Erholung. Immer vor dem Hintergrund, dass wir 2% pro Jahr brauchen, um die Beschäftigung zu halten."

Hausputz nach der Party

Verschmitzt führte Herr Weiss aus:
"Und in dieser Situation, was machen da die Unternehmen?"
"Hausputz, denn nach der Party wird immer Hausputz gemacht."
"Wir hatten ja vier, fünf Jahre einen Boom, wie wir noch keinen hatten — beim Maschinen- und Anlagenbau, für den ich hauptsächlich spreche."
"Wir nutzen die Zeit, um die Unternehmen sauber zu machen."
"Wer finanziell kann, der kann jetzt antizyklisch arbeiten, nicht wie alle Börsengesellschaften, alles streichen, weil die Liquidität nicht reicht."

Seine Einschätzung: "Familiengesellschaften, die genügend Geld — genügend Liquidität — haben, arbeiten jetzt antizyklisch und entlassen keine Ingenieure sondern machen spezielle technische Entwicklungsprogramme, um die Ingenierure auch in der Rezession zu beschäftigen, um nach der Rezession mit noch besseren Produkten da zu sein. Wir haben in unserer Firma die Investitionen verdoppelt. Wir machen Investitionen in Technik und Büros. Weil wir im Moment ja auch billig kaufen können."

"Man kauft in der Rezession und hilft dadurch denen, die Werkzeugmaschinen bauen oder Computersysteme."

Antizyklisch handeln

"Das ist es, was wir in unserer Gruppe machen können, da wir uns nie von Banken abhängig gemacht haben und immer eine so konservative Bilanzierung gemacht haben, mit Pauschalrückstellungen auf den Auftragsbestand. Wenn der Auftragsbestand sinkt, wie es jetzt der Fall ist, weil der Auftragseingang sehr klein ist und der Umsatz normal weiterläuft, den wir jetzt abarbeiten, dann werden Finanzreserven frei, die jetzt die Liquidität füttern. Dies führt dazu, dass man in der Rezession weiter eine konstruktive offensive Politik fahren kann."

Heinrich Weiss: "... und das gilt für viele deutsche Familienunternehmen."

Hidden Champions — Weltmarktführer

"Wir wollen uns nur mit Produkten beschäftigen, bei denen wir eine Chance haben, auf einen führenden Marktanteil, möglichste einen führenden Weltmarktanteil. Wir haben in der Literatur gelesen, von den Hidden Champions. Viele große und mittlere deutsche Unternehmen sind Weltmarktführer — eine einmalige Struktur, die es weltweit so woanders nicht gibt."

Die Hintergründe erläuterte Heinrich Weiss so: "In einem Hochkostenland — das wir seit dem Siebzigerjahren sind — ist man nur erfolgreich, wenn man weltweit tätig ist, denn der Binnenmarkt ist zu klein. Zweitens, dass man sich auf so eine schmale Nische begrenzt, in der man sich dann so spezialisiert und weltweit das Spitzenprodukt anbietet und eine Weltmarktführung erreichen kann."

"Wir machen 80% des Umsatzes mit Produkten, wo wir Weltmarktführer sind und in den anderen die Nummer 2. Alle anderen haben wir verkauft oder weggeben. Seit wir diese Politik puristisch betreiben ist das Unternehmen gewachsen und wir haben mehr Arbeitsplätze geschaffen statt weniger" — erläuterte er das Erfolgsrezept der SMS Group.

Mitarbeiterführung, Mitarbeitermotivation, Mitarbeiterbindung

... "Sie brauchen eine hohe Motivation der Mitarbeiter und Vertrauen, damit die sie nicht betrügen und damit sie keine kurzfristige Politik machen, wie die Gewinnmaximierung ihrer Boni. Sie müssen also Leute haben, die loyal sind zum Unternehmer, zum Inhaber und zu den Mitarbeitern."

"Wir haben für sämtliche Mitarbeiter eine Mitarbeiterbeteiligung eingeführt. Das heißt, jeder hat ein Interesse an niedrigen Kosten und denkt auch mal mit, wo man sparen könnte. Und das nicht im Sinne eines Geschenkes zu Weihnachten — ihr habt schön gearbeitet, deshalb gibt es 5.000 Euro extra zu Weihnachten — sondern im Sinn eines Anspruchs: Der Wirtschaftsprüfer stellt den Jahresabschluss fest und abhängig davon gibt es dann für jeden einen Bonus in Prozenten von seinem Gehalt.
Das ist ein ungeheuerer Motivationsfaktor.
Denn das stellt die Interessensidentität aller Beteiligten am Unternehmen her."

Eine interessante Ausführung gab Heinrich Weiss zum Mitbestimmungsgesetz: "Wenn Sie das Mitbestimmungsgesetz lesen, dann finden Sie darin den Gegnerbezug. Das heißt, der Gesetzgeber ist damals, als er das formulierte, automatisch davon ausgegangen, dass zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer ein Gegnerzustand besteht, den man auch nicht eliminieren kann. Das gilt bis heute."

Die Mitarbeiterbeteiligung ist entscheidend: "Viele kleine Firmen machen das schon länger, aber wir als großes Unternehmen haben es auch gemacht: Indem Sie den Mitarbeiter direkt am Gewinn beteiligen hebeln Sie das Ganze aus und erreichen eine völlige Interessensidentität zwischen Mitarbeitern, dem Management und Eigentümern. Alle wollen ein gesundes Unternehmen, das profitabel ist - langfristig profitabel."

Motivation mal anders betrachtet!

Kim Sen-Gupta hat mich auf folgendes tolle englische Video aufmerksam gemacht. Es lohnt sich, das Video ganz bis zum Ende anzusehen.

Motivation in einem Cognitiven Umfeld - wenn Kreativität zählt