Zur Homepage Begeisterungsmomente - Momente der Begeisterung
Zur Homepage Begeisterungsmomente - Momente der Begeisterung
Logo Begeisterungsmomente - Momente der Begeisterung

Fähigkeit zum "Ja" sagen

Joachim Gauck: Fähigkeit zum "Ja" sagen - diese wunderbare Fähigkeit "ja" zu sagen zu ihren eigenen Potenzen die in ihnen stecken.

Teil 9 (von 9 Teilen) der Weihnachtsvorlesung "Die Liebe zur Freiheit" von Joachim Gauck

Sie spüren dass es eine Attitude von Gesellschaftkritik gibt, die eigentlich weniger Gestaltungswillen als Fluchtversuch enthält. Und genau das möchte ich ihnen ausreden! Ich möchte nicht, dass sie die von ihren Eltern so häufig vertretenen Irrwege eines ideologischen Wolken-Kuckuck-Heims im Überbau haben, und sei es nur in den Restbeständen, das sie hindert hier aktiv und präsent einzugreifen.

Das wünsche ich mir nicht!

Sondern ich wünsche mir von ihnen diese wunderbare Fähigkeit "ja" zu sagen zu ihren eigenen Potenzen die in ihnen stecken und dann das zu geben, was sie dieser Gesellschaft geben können!

"Gott schuf den Menschen nach seinem Bild".

Das war schwer für mich damals, sich das vorzustellen! Was sollte das wieder? Ich kenne natürlich die marxistische Umkehrung. Klar, das hat mich aber auch nicht befriedigt.

Und eines Tages, jetzt auf meine alten Tage, ist es mir wie Schuppen von den Augen gefallen. Ich habe plötzlich begriffen, das ist ja ein ganz einfacher Satz. Er ist unendlich einfach!

Für den der sich als Geschöpf definiert oder der hofft, er sei ein Geschöpf, für den ist es doch ganz einfach. Wir sind geschaffen mit der Fähigkeit zur Verantwortung. Kein anderes Geschöpf hat es. Wir haben es. Wir können dieses Leben leben, wo unsere Freiheitssehnsucht und die Freiheit der Erwachsenen als Verantwortung in einer Person zusammenfallen.

Es ist ein wunderbares Geschenk!

Es ist auch eine Last, weil es Arbeit macht. Aber wir gehören doch schon zu denen, die wissen, dass all Wege in denen wir nicht arbeiten uns nicht glücklich machen. Indem wir unsere Potenzen nicht abrufen.

Und plötzlich war ich glücklich.

Es ist nämlich so, dass diese Wahrheit die eine Psyche bewegen kann und die uns dorthin führt, wo Nächstenliebe lebt, gleichzeitig die Wahrheit ist wo der Bürger hingeführt wird dort wo Solidarität gelebt wird.

Wir spüren, auch wenn wir über Nächstenliebe und Solidarität sprechen, ist die Umsetzung dieser edlen Ziele keineswegs selbstverständlich - von imstande sehr ernsthafte politische und ethische Auseinandersetzungen zu evozieren.

Aber eben dazu sind wir ja da. Diese hochkomplexe Welt mit unseren Möglichkeiten zu gestalten. Wir werden dabei häufig irren. Aber der Irrtum derer, die sich wirklich verantwortlich fühlen ist zehn Mal einem Handeln vorzuziehen, die sich nie verantworten wollen. Und darum sagen wir "ja" zu dieser Lebensform in der wir Freiheit definieren als Verantwortung. Wir sind umgeben von einer Fülle von Aufgaben und wir werden diesen Aufgaben nie zu hundert Prozent entsprechen.

Aber wenn wir unserer Furcht den Abschied geben, und unsere Fähigkeit zur Verantwortung wahrnehmen, dann ist Zukunft da. Für dieses Land und auch für diese Welt.

Und das ist mein Weihnachtswunsch, dass das in ihr Kopf und in ihre Herzen geht.

Frohe Weihnachten!

<< Ende der wörtlichen Ausführungen Teil 9 von Joachim Gauck anlässlich der Weihnachtsvorlesung 2010 an der Uni Bayreuth >>

Fazit: Verantwortlich fühlen, verantwortlich handeln, das ist das Gebot JEDER Stunde. Dabei dürfen wir beim Handeln aus Verantwortlichkeit heraus Fehler machen. Nicht aus Ängstlichkeit, aus der Verantwortlichkeit heraus wird Zukunft positiv gestaltet.

Zurück zu Teil 1 des Vortrags von Joachim Gauck: Weihnachtsvorlesung