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Die bezogene Freiheit

Anmerkung: Joachim Gauck hob zur Freiheit hervor: Freiheit kann sowohl FÜR etwas und auch ZU etwas sein.

Teil 5 (von 9 Teilen) der Weihnachtsvorlesung "Die Liebe zur Freiheit" von Joachim Gauck

Freiheit bezieht sich immer auf etwas.

Ich bin dabei uns klar zu machen wie sich Freiheit dann im praktischen, politischen Leben äußert und gerade dabei zu entdecken, dass es Freiheit eigentlich als Freiheit FÜR etwas und ZU etwas gibt.

Wir erleben uns als bezogene Freiheit.

Bevor wir anfangen politisch zu denken, haben wir schon eine Empfindung dafür, dass es normal ist diese Bezogenheit zu leben.

Und das passiert schon beispielsweise wenn wir einen Menschen lieb haben. Ganz, ganz einfach! Nämlich dass wir eine kreatürliche Veranlagung haben zu einem Leben in Bezogenheit und dass das nicht zuerst belastet, sondern dass das ein unglaublicher Gewinn sein kann.

Und wenn wir mal genau hinschauen, erleben wir z.B. dieses Gefühl der Bezogenheit, das ich beschrieben habe, auch in Bezug auf Werte die uns am Herzen liegen.

Auf einen Glauben, der uns wichtig ist. Auf ein Kunstwerk das ich gerade gestalten möchte. Auf ein Stück Natur oder Heimat, das ich bewahren möchte. Vielleicht auch nur bezogen auf ein einziges Werk, das ich gerade tue.

Ich möchte diese Operation so zu Ende bringen, dass es eine neue Lebenschance gibt. Ich möchte diesen Betrieb vor der Katastrophe retten.

Ich möchte als Anwalt diesem Angeklagten wirklich einen Weg zurück ins Leben eröffnen. Vielleicht kann ich erreichen, dass er freigesprochen wird.

Dann ist es übergesprungen, dieses Element, das uns plötzlich das Leben in einer Fülle anbietet. Nicht weil wir auf unser Glück warten, sondern weil wir zu einer Bezogenheit „Ja“ sagen, die in unserem Leben auf den unterschiedlichsten Bereichen geschieht.

Und das kann uns auch passieren, wenn wir in unseren Gemeinden entdecken: Es bringt uns mehr, wenn wir den neben uns Lebenden als Mitbürger sehen und seine Belange und meine Belange zusammen tun, und vielleicht in einer Gewerkschaft oder in eine Partei überlegen: was wäre für meine Kommune, für mein Bundesland oder für mein Land das wichtigste?

<< Ende der wörtlichen Ausführungen Teil 5 von Joachim Gauck anlässlich der Weihnachtsvorlesung 2010 an der Uni Bayreuth >>

Fazit: Bezogenheit hat viel mit Heimat zu tun. Und Heimat sollte man als die Menschen, die Landschaften, die Kulturen, ... betrachten, zu denen man eine enge Beziehung hat. Heimat ist heute weiter und abstrakter zu denken.

Teil 6 des Vortrags von Joachim Gauck: Ja zu eigenen Potenzen